Buchtipp: Praxisbuch IT-Karriere von Svenja Hofert

Liebe Leserin und lieber Leser,

Berufliche Entwicklungen in der IT sowie im IT-nahen Bereich, in den Medien und der Projektarbeit folgen anderen Gesetzmäßigkeiten als die Karriere in klassischen Berufen. Das fängt bei den Job-Profilen an, geht über die Bewerbung weiter und hört bei der Karriereplanung noch nicht auf. Dabei gilt: Der Karriereweg eines ITlers kann so ungewöhnlich sein wie seine Spezialisierung.

Svenja Hofert zeigt in diesem umfassenden Handbuch, welche Grundregeln bei beruflichen Entscheidungen, Bewerbung und Vorstellungs-gesprächen beachtet werden müssen und mit welchen individuellen Strategien man den Ein- und Ausstieg schaffen kann.

Arbeite ich besser frei, im Projekt oder angestellt? Wo passe ich hin? Wie entwickle ich mich weiter? Welches (Aufbau)-Studium wähle ich, welche Weiterbildung oder Zertifizierung? Und bleibe ich lieber Spezialist oder wechsle ich ins Management?

Die Themen sind breit gefächert: Berufseinstieg, Ausbildung, Studium/MBA, Weiterbildung, Zertifizierungen, Arbeit als Freelancer, Jobsuche, Bewerbung, Vorstellungsgespräch und (Online-) Assessment Center, Gehalt / Honorar und Überleben - immer unter dem besonderen Aspekt von IT, Technik und digitalen Medien. Die Leser finden im Praxisbuch viele Beispiele, Interviews, Checklisten, Übersichten und Muster sowie Karrieretipps von A bis Z.

Das Buch wendet sich an "reine" ITler, aber auch an diejenigen, die in IT-Mischberufen tätig sind: als Berater, Online-Vermarkter, Projektmanager oder in anderen "Sandwichpositionen".


Praxisbuch IT-Karriere
Berufsorientierung, Karriereplanung und Bewerbung

Svenja Hofert
Eichborn Verlag,
ISBN 978-3-8218-5970-5, Februar 2009 24,95 € Deutschland

Zu Svenja Hofert:
Die Hamburger Karriereberaterin Svenja Hofert (www.karriereundentwicklung.de) ist seit vielen Jahren auf IT und Medien spezialisiert. Sie hat mehr als 20 Bücher zu Karrierethemen geschrieben, unter anderem das "Praxisbuch für Freiberufler" und "Jobsuche und Bewerbung im Web 2.0".


Was ist für ITler in Sachen Karriere anders?
Mein erstes Erlebnis mit der Andersartigkeit von "IT-Leuten" datiert am Anfang der 1990er. Da stellte ich mich, frisch studiert und noch wenig berufserfahren, in einem Softwarehaus vor. Mir gegenüber saß jemand in kniekurzen, bunten Boxershorts. Ich selbst trug einen grauen Anzug und kam mir irgendwie blöd vor. Anstatt Fragen nach Stärken und Schwächen zu beantworten, sollte ich einen Test machen und aus dem Inhaltsverzeichnis eines Programmierbuchs einen Buchrückentext schreiben. Seitdem ist eine Menge passiert, und die kurzen Blumenhosen begegneten mir sieben Jahre später am Casual Friday in der Kantine des amerikanischen Unternehmens wieder, für das ich dann arbeitete. In der IT jedoch verschwanden sie, jedenfalls aus den meisten Abteilungen.

Was ist so besonders an der IT-Karriere, dass ein spezielles Buch dafür nötig ist? Und zwar ein Buch nicht nur für ein kleines Nischensegment, sondern für den populären Ratgebermarkt - denn dafür schreibe ich. Ich denke: So ziemlich alles. Klassische Berufs- und Bewerbungsratgeber werden zumeist an der IT-Zielgruppe vorbeigeschrieben, weil sie einfach anders ist. Die Gründe dafür werde ich Ihnen gern erläutern:

  • Der Arbeitsmarkt im Bereich der IT ist erstens riesig, und zweitens sehr speziell. In der IT gibt es virtuelle Teams, einen hohen Anteil von Freelancern, sehr viele Nischen und in anderen Bereichen unbekannte Jobpositionen.
  • Die Laufbahn in der IT unterscheidet sich sehr von einer "normalen" Karriere und muss ganz anders geplant werden, damit ein IT-Mitarbeiter nicht mit 40 vor dem Karriere-Aus steht. Das Anhäufen von Macht und unternehmensinternem Wissen, in vielen anderen Bereichen immer noch ein Karriereschlüssel, funktioniert hier deutlich weniger gut.
  • Die Jobsuche läuft fast ausschließlich über das Internet sowie über spezielle Agenturen. Eine Selbstpräsentation im Netz und Web 2.0-Kompetenz ist für ITler noch wichtiger als für andere.
  • Die Bewerbungsverfahren in der IT unterscheiden sich. In aller Regel sind Personaler gar nicht in der Lage, IT-Lebensläufe zu interpretieren. Deshalb entscheiden Fachleute, Tests und Praxis-beweise über eine Einstellung - seltener Gespräche. Oder diese laufen anders ab.
  • Die Bewerbungsunterlagen müssen deutlich umfangreicher sein. Um das eigene Wissen zu erläutern, sind zusätzliche Seiten nötig, beispielsweise ein Skill-Level-Profil oder die Projektübersicht.
  • Das IT-Gehalt ist ganz anderen Gesetzmäßigkeiten und viel größeren Schwankungen unterworfen. Sie können, wenn Sie seltene Qualifikationen haben, hoch pokern - aber auch eine Menge verspielen. Die IT hat Gehaltsberge und -täler, die nur wenige Gehaltsstudien angemessen spiegeln.
  • Die Vorstellungsgespräche konzentrieren sich kaum auf die üblichen Fragen wie die berühmt-berüchtigte nach den Stärken und Schwächen. Außerdem wird anders gefragt. Und oft ist der Fragensteller nicht der Personaler.
Gründe genug für dieses Buch, nicht wahr?


Unser gemeinsamer Nenner - eine Definition von IT
Was ist denn jetzt IT? Bezieht man sich auf die Definition der Bitkom, das ist der Bundesverband Telekommunikations- wirtschaft und neue Medien e.V., schließt IT die Telekommunikation mit ein. Digitale Medien bleiben allerdings außen vor, obwohl es eigentlich auch "neue" Medien sind.Hierfür hat sich eine andere Lobby etabliert: der Bundesverband digitaler Wirtschaft BVDW e.V. Die Grenze zwischen beiden Verbänden wird vor allem auch durch die Unternehmensgröße definiert. Der Bitkom sind zahlreiche Konzerne angeschlossen, der BVDW fühlt sich vor allem den "Digitalen", den Agenturen und der Internetwirtschaft verpflichtet. Letztendlich arbeitet man aber in beiden Bereichen technik- und IT-nah, es gibt inhaltlich zahlreiche Überschneidungen. Zahlen werden aber immer nur für die jeweils eigenen Bereiche erhoben. Und so kommt es, dass der eine den anderen nicht sieht.

Nicht gesehen werden auch die "da draußen". In anderen Branchen, sei es Gesundheitswesen, Bau oder Handel gibt es immer auch eine IT-Abteilung, außerdem zahlreiche Schnittstellenpositionen. Schauen Sie etwa in das Lager eines produzierenden Konzerns, sehen Sie in die Logistik. Dort ist jeder Vorgang von der IT bestimmt. Geschäftsprozessoptimierung heißt dort längst nicht mehr, händische Abläufe effizienter zu gestalten, sondern hier geht es darum, IT-Prozesse zu optimieren. Begriffe wie Packaging - elektronische Verpackung - sind bei näherer Betrachtung IT-Begriffe.

"Draußen", außerhalb des Lobby-Gesichtsfelds, stehen Menschen in IT-Mischberufen. Diese arbeiten weder in einer IT-Abteilung noch in der IT- oder Telekommunikations-Branche. Ich nenne sie Sandwich-ITler, weil sie genau dazwischenstecken: Sie sind keine Techniker, aber spezialisiert in ihrem Ursprungsbereich. In ihren Arbeitsverträgen steht IT-Einkaufsleiter, Personalmanager für die IT-Mitarbeiter, Projektmanager in der Logistik oder Suchmaschinenmarketing-Manager. Wenn ich von IT spreche, meine ich auch sie.

IT in diesem Buch ist also "größer" als das, was von Bitkom oder BVDW definiert wird. Dieses Buch spricht über die klassischen IT- und Telekommunikationsgrenzen hinweg damit alle an, deren Arbeit in irgendeiner Form von Technik und IT geprägt wird. Und natürlich all jene, die sich für diesen Bereich im Rahmen ihrer Berufswahl interessieren.